Eingetaucht den Federkiel
In der schwarzen Tinte Tiefe..
Schaben auf dem Pergament,
Wenn der Worte Schweife tanzen..
Danke, dass dein Blicke fiel
Aufs Zusammenspiel der ganzen!


Dienstag, 19. Dezember 2017

[Rezension] Claire Horst - Alle Geschichten (er)zählen - Aktivierendes kreatives Schreiben gegen Diskriminierung


Der Titel des im Budrich-Verlag erschienenen Buches packte mich sofort. Für mich ist das kreative Schreiben sehr wichtig, und ich möchte auch im Deutschunterricht oder zu anderen Gelegenheiten andere dazu inspirieren, sich durch das geschriebene Wort auszudrücken.
Gerade die Kopplung, Diskriminierung zu verarbeiten, reizte mich, dieses Buch zu lesen.

Immer wieder durchziehen Kapitel "Aus der Praxis" das Buch, Interviews mit Autoren, Anti-Rassissmus-Trainern sowie einer Poetry-Slammerin. Ein Schreib-Pädagoge spricht zum Abschluss.

"Wer Geschichten erzählt, bestimmt nicht nur, was erzählt wird, sondern auch, wie es erzählt wird", ist der erste Satz von Claire Horst im Buch. Und ein sehr wahrer Satz.
Dieses wissenschaftliche Buch ist so aufgebaut, dass zunächst "Antidiskriminierung als Thema politischer Bildungsarbeit" mit dem "Bildungsziel: Gesellschaftliche Veränderung" im Fokus steht, bevor "Ansätze der diskriminierungskritischen Bildungsarbeit" erörtert werden. Besonders spannend finde ich hierbei die geschlechterreflektierende Bildungsarbeit, die auch mit in den Buchteil "Kreatives Schreiben als emanzipativer Einsatz" einfließt. Vor allem hat mich hier die Einbringung des Kreativen Schreibens in sogenannte "Empowerment-Gruppen" überrascht. Es macht natürlich Sinn, die Selbstermächtigung auch über das Schreiben zu gestalten, Ansätze zu finden und eine Gruppenidentität über den freiwilligen Vortrag dieser Schreibprodukte zu generieren. Aber ohne das Buch wäre ich auf diese Idee nicht gekommen.

Besonders habe ich mich über den Bereich "Übungssammlung" gefreut, der einen großen Teil des Buches ausmacht. 55 Übungen sind im Buch ausführlich vorgestellt, immer auch mit Ziel, Fokus, Zeit, Material, Raum und einer Kurzbeschreibung sowie einer Ablaufsbeschreibung versehen. Schön finde ich, dass auch Hinweise für die Anleitung gegeben werden, sowie auf die Quellen hingewiesen wird.
Durch die Ausführlichkeit kann man die einzelnen Übungen auch selbst so abwandeln, dass sie für die entsprechenden Gruppen passen, indem man z.B. noch mehr Sinne anspricht oder eine geplante Bewegungsphase anpasst.

Das Buch hat mich in meiner professionellen Arbeit bereichert und meinen Horizont erweitert. Es ist eine gute Arbeitsgrundlage für alle, die anderen Menschen dabei helfen möchten, sich über das Wort auszudrücken, und über Identität und Diskriminierung nachzudenken oder diese zu verarbeiten.




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